14.08.2008
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 Karl Fischer und Felix Rinser 
125 mal rund um die Erde: das ungewöhnliche Firmenjubiläum von Felix Rinser
Am 15. März 1954 fing der damals 20jährige Felix Rinser bei der damaligen Firma Karl Fischer KG als Mechaniker an. Doch schon bald setzte er sich ans Steuer eines LKW und wurde Fernfahrer. Denn die Leidenschaft fürs Fahren entdeckte er schon früh. “ Wenn im Sommer die Fremden da waren, hätte ich am liebsten die Autos mit Düsseldorfer oder Kölner Nummer gestreichelt, diesen Drang und dieses Fernweh hatte ich schon immer.” Mit einem Henschel-Laster fuhr er die ersten Ladungen nach Hamburg, Köln, Frankfurt, und später als einer der ersten nach Italien.“Das war ein richtiges Abenteuer”, erzählt der 70jährige. “Für die Strecke nach Hamburg brauchten wir 24 Stunden. Denn hinter Nürnberg war die Autobahn aus, den Rest sind wir auf Bundesstraßen getuckert.”Höchstens 68 Stundenkilometer schnell waren die Laster damals, und eine Euro-3-Norm, schadstoffarme LKW oder Lenk- und Ruhezeiten kannte damals noch keiner.

Felix Rinser war bei den Kunden bekannt für seine Pünktlichkeit. Schnell fand er das Erfolgsgeheimnis dafür heraus: nicht aufs Gaspedal drücken, sondern gleichmäßig schnell fahren. Pünktlichkeit war in der Zeit vor einer Europäischen Union und ohne Computer eine wahre Kunst.Allein der Papierkrieg am Zoll von Bayern nach Österreich dauerte Stunden. “Sechs bis sieben Stunden brauchten wir über Oberaudorf und Kiefersfelden, bis alle Formalitäten erledigt waren.”Doch das war eine Kleinigkeit im Vergleich zum italienischen Zoll: In Sterzing steckten oft 200 bis 300 Brummis fast einen Tag lang fest. Frachtpapier abstempeln und Zollkontrollen über sich ergehen lassen, das dauerte eben. Und die italienischen Zöllner waren alles andere als hektisch. “Als dann alles erledigt war, wollten alle LKW-Fahrer raus und weiter in Richtung Süden fahren”, erzählt Felix Rinser. ”Drei Fahrzeuge wollten gleichzeitig auf eine Spur wechseln, alles war völlig ungeordnet, und gewonnen hat der, der die besten Nerven hatte. Immer musste man aufpassen: fliegt gleich der Außenspiegel weg, beschädigt der Fahrer neben mir meinen LKW – Fahren ohne Rücksicht war das jedes mal.”

Inzwischen geht alles viel schneller, doch auch der Zeitdruck der Fahrer ist größer geworden. “Früher hatten wir eine größere Kameradschaft”, meint Rinser. “Wenn man eine Reifenpanne hatte, sind gleich vier LKW stehen geblieben, jeder hat dem anderen geholfen. Das ist heute selten.” Zu seinen Brummis, die im Lauf der Zeit immer moderner, leiser und schadstoffarmer wurden, hatte er immer eine besondere Beziehung. “Wenn ich heimgekommen bin, hab ich ihn gestreichelt und gesagt: Brav warst Muckl, und nie gehst du kaputt.”

Felix Rinser ist viel herumgekommen, hat Papier, Marmor, Spanplatten oder Kartoffeln transportiert, immer zuverlässig. Er hat keine Punkte in Flensburg.Neben seinem Job als Fernfahrer leitete er auch die firmeneigene Werkstatt. Die Spedition ist immer noch ein Familienbetrieb- inzwischen in der dritten Generation. Als Fernfahrer ist Felix Rinser nicht mehr tätig. Jetzt ist er Chauffeur von Firmenchef Karl Fischer. Der freut sich jedesmal, wenn er von ihm kreuz und quer durch Europa gefahren wird. “ Ich kann auf die Erfahrung von Felix Rinser vertrauen, das ist sehr viel wert. Außerdem hab ich von ihm das LKW-Fahren gelernt, er ist sehr zuverlässig, und 50 Jahre in einem Unternehmen, das ist schon ein ungewöhnliches Erlebnis.” Als Dank für diese Firmentreue gab es für Felix Rinser nicht nur eine Feier bis in die Morgenstunden. Karl Fischer schenkte ihm und seiner Frau eine Woche Urlaub in Staffelstein. Und wer Felix Rinser kennt, weiß genau, dass er da nicht an schöne Hotels und einen Luxusurlaub denkt. “Ich hab mir sofort gedacht: da haben wir doch einen Kunden”, erzählt er lächelnd. “Dort hab ich früher immer einen guten Kaffee bekommen.” Deshalb wird er seinen Kunden natürlich besuchen – diesmal mit dem Auto.DerLKW “Muckl” ist inzwischen vielleicht wieder in Italien unterwegs.

 
 

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